Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft Bremerhaven

BREMERLOTSE

Am 22. Juli 1996 erwarb die Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft Bremerhaven das ehemalige Lotsenversetzschiff (LVS) BREMERLOTSE und hielt es bis zum Februar 2009 als traditionelles Beispiel deutscher Schiffbaukunst in Fahrt.

BREMERLOTSE

Das von der Schiffs- und Bootswerft Friedrich SCHWEERS, Bardenfleth, gebaute Schiff, Bau-Nr. 6312, lief am 1. September 1956 vom Stapel und wurde am 20. Oktober 1956 an die Lotsenbrüderschaft Weser I (Bremen) abgeliefert. Der damalige Vorstand der Lotsenbrüderschaft I, Kapitän Petersen, nahm das Schiff auf einer Übergabefahrt feierlich in Empfang.

Das Lotsenboot ist 22,00 m lang, 4,60 m breit und hat einen Tiefgang von 2,10 m. Angetrieben von einem 511 PS starken Deutz Diesel erreicht das Schiff eine Geschwindigkeit von 13 Knoten. Der Schiffsrumpf ist stahlgeschweißt, hat Eisverstärkung und einen Eisbrechersteven. Die Schotten, das Deck und die Aufbauten wurden aus seewasserbeständigem Leichtmetall hergestellt. Zur weiteren Ausstattung gehörten eine Radar-, UKW-Sprechfunk- und Kommandosprechanlage, ein Hilfsaggregat und ein Wellenkompressor. Der BREMERLOTSE fuhr ursprünglich mit drei Mann Besatzung: dem Schiffsführer, dem Maschinisten und einem Matrosen.

In den vierzig Jahren seines Dienstes (1956 bis 1996) für die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Bremen, bzw. die Lotsenbrüderschaft Bremen II/Jade in Bremerhaven hat dieses Schiff Lotsen "versetzt", d. h. es hat Seelotsen von ihrer Station an der Geeste auf die auslaufenden Schiffe gebracht, den Bremer Flusslotsen geholt und die einlaufenden Schiffe ebenso bedient.

Im März 1996 löste das neue Versetzboot WESERLOTSE den nach fast 40 Jahren Dienst ausgemusterten BREMERLOTSE ab. Die Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft Bremerhaven kaufte vom Bundesverkehrsministerium das zur Verschrottung vorgesehene Schiff. Nach kurzer Liegezeit an der Kaje der Braker Wasserstrassen- und Maschineninspektion wurde das Schiff am 26. Juli 1996 zum Liegeplatz am Kohlenkai im Fischereihafen verholt.

Landgang des BREMERLOTSE

Im August 1997 ging das Vereinsschiff zu Restaurierungsarbeiten auf der Schichau-Seebeckwerft an Land. Der Rumpf wurde mit neuen Eisenplatten versehen und mehrfach gestrichen, die Maschine und die Bordelektrik durch Vereinsmitglieder überholt, die Innenräme gereinigt und die Sitzbänke neu gepolstert. Die Arbeiten waren nur durch ein grosses Spendenaufkommen möglich.
Im März 1998 war die Liegezeit an Land beendet und der renovierte BREMERLOTSE kehrte zu seinem Liegeplatz am Kohlenkai, (Ostseite des Fischereihafens I) beim Schaufenster Bremerhaven, zurück. Hier wurden die Restarbeiten an Bord von Vereinsmitgliedern erledigt, damit das im neuen Glanz erstrahlende Museumsschiff die Fahrten wieder aufnehmen konnte.

Liegeplatz am Kohlenkai

Nach drei Jahren harter Arbeit war das Lotsenschiff so weit fertig, dass es zu Gästefahrten starten konnte. Insgesamt 137 solcher Ausflüge führten nach Vegesack, Oldenburg, Brake, entlang des Bremerhavener Containerterminals und in den Wurster Arm. Rund 1250 Gäste genossen die Schönheiten der Landschaft und die vielen Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses.

2006 wurde zum 50-jährigen Jubiläum des LVS BREMERLOTSE ein Papiermodell im Maßstab 1:100 vom Bildhauer Friedrich Pohl aus Kassel erstellt.

Papiermodell des Bremerlotse

Anfang 2008 kam der BREMERLOTSE noch einmal groß heraus. Bremenports charterte das Schiff für drei Monate als Hafenfähre für den Pendelverkehr vom Rotensand zur Columbuskaje. Und auch hier hat sich das alte Schiff wieder bewährt.

Bremerlotse als Personenfähre

Im Herbst 2008 kam der Vorstand der SGG dann zu dem Entschluss, sich wegen fehlender "Manpower" von dem Schiff zu trennen. Die Stammcrew war in die Jahre gekommen und geeigneter Nachwuchs war nicht in Sicht. Im Februar 2009 wurde das Schiff an Frau Schwarting aus Brake verkauft. Im Juni 2009 ging das Schiff aber schon wieder in andere Hände über. Es war unter dem Namen Thor Neocorus in Büsum beheimatet und sollte für Tauchexpeditionen umgebaut werden. 2010 ist das Schiff an einen privaten Eigner nach Hamburg verkauft worden, der es wieder unter dem Traditionsnamen BREMERLOTSE in Fahrt hält.